Hip Hop Kemp 2K11 – A Review

Hat ‘ne Weile gedauert – aber endlich ist es soweit: THE REVIEW (mit Bildern)!!!

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Es fällt mir ein wenig schwer, Worte für dieses unglaubliche HAPPENING zu finden. Einerseits weil ich diverse Hirnzellen und Erinnerungen in Tschechien (sagen wir mal) “zurückgelassen” habe, andererseits aber auch weil diese 5 Tage im Rückblick so märchenhaft erscheinen, dass ich gar nicht weiss wo ich anfangen soll zu berichten, wie absolut übertrieben cool dieses Festival war.

Bitte checkt unbedingt die übertrieben schönen Fotos, die wir in Hradec geschossen haben – unten in der Galerie am Ende des Artikels.

Die unendlich erscheinende Hinfahrt, eine erste durchzechte Nacht, der polnische Straßenkampf um die Festivalbändchen, die sengende Mittagshitze und anfänglich durch Zäune von uns getrennte Sanitäranlagen machten das Warmup am Mittwoch zunächst eher zu einem Überlebens-Trip. Als am Mittwoch um 19 Uhr (36 Stunden nachdem wir Frankfurt verlassen hatten) dann aber endlich alle Zelte aufgebaut waren, offenbarte sich mir die bezaubernste Partykulisse, die ich jemals gesehen habe.

Der Festivalpark Hradec Kralove ist ein ausgedienter Flugplatz, ein RIESIGES, unübersichtliches Gelände, das mit seinen unzähligen Hangars, abgefahrenen Ruinen und umfassend besprühten Mauern so eine Art Graffiti-Erlebnispark darstellt. Hier finden zwar auch Festivals anderer Musikrichtungen statt, aber nichts kann hier so natürlich und heimisch wirken wie eins der größten europäischen Hip Hop Festivals. Noch bevor ich den ersten Drink auf dem Festivalgelände erstehe, bin ich verliebt. Verliebt in Hradec.

Als ich dann endlich den ersten Drink in Händen halte (Cuba Libre für läppische 90 Kronen ~ 3,80 Euro) und sonnenverbrannt über das noch nicht vollständig aufgebaute Festivalgelände schlendere, offenbart sich mir der absolute Hottentottenhimmel: 3 Partyhangars (Dancehall Hangar, Pokerhangar, Backspinhangar), eine Axe-Partystation (hell yeah), eine Breakdance-Area (die der Kulisse in der Wildstyle-Schluss-Szene garnicht so unähnlich sieht), eine ganze Straße mit Hip Hop-Supply (Sneakers, Caps, Shirts, Bongs, Platten…), Rodeoreiten, Sumoringen, Bierdosenklettern und last but not least natürlich eine Fressmeile mit unüberschaubarem Angebot. Und wenn ich sage Hottentottenhimmel, meine ich auch Hottentottenhimmel: auf der Fressmeile konnte man neben allen möglichen internationalen Leckereien nicht nur einen original KFC-Stand finden – nein, die Damen, die des Colonel’s original Hühnerschenkel verkauften, hatten (okay es war auch wirklich sehr warm lol!) NICHTS ausser Unterwäsche und Schürzen an. No Joke.

Da die ersten Shows erst Donnerstag auf dem Programm standen, konnte sich die noch immer ankommende Crowd ohne jeden Zeitdruck auf sich selbst konzentrieren und eine absolut angemessene (aber erstaunlich wenig internationale) erste Partynacht unter klarem Sternenhimmel verbringen, bevor es am Donnerstag Nachmittag dann richtig los ging. Woodstockartige Zustände, offener Drogenverkauf (die einzigen Konsumgüter, die außer Kentucky Hühnerschenkeln auch in Euros bezahlt werden konnten) und übertrieben LAUTE ANLAGEN mit ÜBERTRIEBEN GUTER MUSIK ließen keine Zeit für vorbereitenden Schlaf. (Big Up übrigens an die Jungs im Wohnmobil neben dem Bändchen-Container – Euer Wohnmobil plus Anhang war eine verdammte eigene Party-Area. Der Club-mäßig laute Sound, den Ihr an den Start gebracht habt und Zion I’s “Let me holla” haben mich mental zerstört am Donnerstag morgen. “Bäsdä”.)

Genug von den (wenn auch kurzweiligen) “Zeltplatzfaxen” – denn bevor ich klar denken konnte (oder mich wieder ganz nüchtern fühlte) war es bereits Donnerstagabend und ich habe optimale Sicht auf eins der mitreißendsten, besten Rapkonzerte, das ich je erlebt habe. Odd motherf***ing Future Wolf Gang (kill them all). Wir hatten bereits berichtet über den Hype, den die Jungs weltweit auslösen – über anarchistische Zustände auf Konzerten, durchgepeitschte Fans und eine außergewöhnliche Performance. Entsprechend gespannt war ich auf OFWGKTA. Was ich dann in Hradec von Tyler, Hodgy und den anderen Jungs gesehen habe, hat meine Erwartungen aber sogar noch übertroffen. Tyler, der trotz gebrochenem Bein und Terminator-Fuß auf die Bühne geradelt kam (auf einem wirklich MEGAFRESHEN Bike), ist der perfekte MC, der mit seiner Crowd quasi verschmilzt. Erfrischend begeistert von seinem Publikum und authentisch selbstsicher kann dieser 19jährige Nachwuchsrapper vielen seiner älteren Rapkollegen eine Menge über Bühnenpräsenz beibringen. Der Mond über uns, die hysterische Menge, Hodgy’s abgefahrene Beats (die glasklar durch die Sommernacht dröhnten) und die tiefe Stimme von Tyler… es waren magische Momente, die sich für immer in mein Gedächtnis gebrannt haben. SWAG! SWAAAAG!

Die Snowgoons (inkl. PMD & Sean Strange), Wildchild (und ein Michael Jackson-mässig engagierter Baby Boogaloo), die ebenfalls am Donnerstag Abend die Bühne gerockt haben, wären unter anderen Konkurrenzsituationen sicher mehr als eine Randnotiz wert gewesen, verblassen aber irgendwie angesichts der Leistungen der Wolf Gang.

Viel Zeit zum durchatmen blieb nicht, denn in Hradec endete die Party eigentlich überhaupt nicht. Afterparty, Zeltplatz-Ausraster und Warmup gingen fließend ineinander über und am Freitagabend wurden uns erst von unglaublich motivierten Looptroop Rockers die Ohren weggeblasen, anschließend trieb mir Pharoahe Monch vor Begeisterung über die “Desire”-Performance die Tränen in die Augen. Und den Hauptact des Abends – nämlich M.O.P – hat die ein oder andere Hipnotized Mitarbeiterin dann schon leider nicht mehr bei ganz klarem Bewusstsein miterleben können, abgelenkt von – und vertieft in – eine viel zu gute Dancehallparty.

Der eigentliche Headliner des Festivals waren dieses Jahr Methodman und Redman, die am Samstag als letzter Act (weit nach Mitternacht) die Bühne betraten. Ich habe beide Artists (sowohl gemeinsam, als auch jeweils alleine) schon mehrfach live gesehen – aber diese Bühnenshow hat alle bisherigen Meth n Red Auftritte aus meinem Gedächtnis gelöscht. Es war einfach so so so so dope. Die Feuerwehr war am Start, Explosionen, Flammen (mit denen wohl auch Reggie nicht gerechnet hat – Dude hat sich fast zu Tode erschrocken – s. Bild), eine geile Bühnenkulisse in Form von mann-hohen Buchstaben (die anschließend dem Publikum – und somit dem Zeltplatz – überreicht wurde), Rockwilder, A-Yo, Pick it up… ach es hörte einfach gar nicht mehr auf. Politisch korrekt war’s auch noch: zu Beginn der Show wurde ein junger Mann im Rollstuhl kurzerhand auf die Bühne verfrachtet und hatte optimale Sicht auf das beste Konzert des Sommers. DJ Dice, der lockerste Typ dieser Erde war wie immer eine absolut angemessene Unterstützung für dieses unschlagbare Duo wenn es um Liveshows geht.

Und während sich ein großer Teil der Crowd nach diesem absoluten Höhepunkt unter märchenhaftem Mond auf den Zeltplatz drängte, ging auf dem Festival die Party nach der Party nach der Party für die hartgesottensten unter uns weiter. Leider war die V.I.P Crowd ein übelst lahmer Haufen und jämmerlich unterbesetzt – ich möchte aber trotzdem ganz ausdrücklich den DJ (dessen Namen ich vergessen oder erst gar nicht erfahren habe) loben. Ein ganz fabelhaftes Set, dass leider viel zu wenig Leute befeiert haben. Auf der Axe-Party-Station lief noch Sound (wenn auch leider nicht ganz so hervorragender) bis verzweifelte 8 Uhr morgens. Alkohol-Leichen wohin ich blickte, eine aufgehende glühende Sonne, 84 Stunden Party, und ein aufwachender Zeltplatz, trieben mich als eine der letzten von dem Gelände. Mir war richtig schwer ums Herz, all das jetzt zu beenden und den Hottentottenhimmel verlassen zu müssen.

Wer diesen Bericht liest, könnte der Meinung sein, ich sei leicht zufriedenzustellen. Odd Future eins der besten Konzerte ever, Meth n Red das beste Konzert des Sommers, alles Hippy, alles nice. Aber tatsächlich bin ich die vielleicht weltgrößte Haterin. Ich bin enorm schwer zufriedenzustellen, ich finde immer etwas, das mich nervt – ich bin das absolute Mädchen. Und natürlich gab es eine Menge Abturn-Potential. Ich würde lügen, wenn ich bestreiten würde, dass die Organisation nicht so pralle war. Und ja, es war echt nicht so international, wie ich gehofft hatte: fast nur Tschechen und Polen (no offense… u know), eine handvoll Deutsche und einige Italiener. Das ewige Anstehen und die lange Anfahrt waren genau so ein Abturn, wie die Lauchs um mich herum im Bus auf der Rückfahrt. Eine Schlägerei um mein Portemonnaie und das omnipräsente Wort “Curva” waren anstrengend. Aber das alles war und ist mir egal. Was wirklich wirklich wichtig ist und war: Sound. Und der hat einfach so krass gestimmt. Die Tontechniker vor Ort haben wahre Wunder vollbracht. Ich habe jeden Ton, jedes Wort, jede Nuance und jedes Sample so klar gehört, dass ich es fast nicht glauben konnte. Die Anlagen waren überall (sogar auf dem Zeltplatz) mehr als überdimensioniert, das Line-Up ein Traum und der Alkohol genau so günstig wie versprochen – und das ist eigentlich alles was ich mir gewünscht habe.

Wem alles andere – außer richtig lauter Musik – genau so schei** egal ist wie mir, dem rate ich dringend, sich jetzt schon für Sommer 2012 das Hip Hop Kemp vorzumerken – egal was das Lineup dann so zu bieten hat, denn diese Jungs investieren deutlich spürbar 90% des (günstigen) Ticketpreises in den Sound und 10% in alles andere.

Wer allerdings Kopfweh kriegt, wenn er zu wenig schläft, oder wer nicht so sehr auf Menschenmengen und chaotische (fast schon anarchistische) Zustände steht – der sollte besser gar nicht darüber nachdenken, was er verpasst hat und schleunigst den Namen Hradec aus seinem Gedächtnis streichen.

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